Tierfotografie mit Ruhe & Vertrauen – Erfahrung, die Sicherheit gibt

Was Tiere mich über Ruhe, Vertrauen und Verantwortung gelehrt haben

Es gibt Tiere, die machen es einem leicht.
Und es gibt Tiere, die einen zwingen, genauer hinzusehen.


Nicht, weil sie „schwierig“ sind –
sondern weil sie keine Abkürzungen zulassen.


Meine Arbeit als Tierfotografin ist stark geprägt von genau diesen Tieren. Von Begegnungen, in denen Ruhe keine nette Zugabe war, sondern Voraussetzung. Von Situationen, in denen es nicht darum ging, etwas durchzusetzen, sondern darum, bei sich zu bleiben.


Ein großer Teil dieser Haltung ist durch einen Hund entstanden, der mein Leben viele Jahre begleitet hat:

Joker.

Joker, erfahrener Sprengstoffspürhund, sitzt ruhig in der Heidelandschaft und blickt aufmerksam in die Kamera

Joker war kein Hund, der einfach „mitlief“. Er war hochsensibel, gesundheitlich stark eingeschränkt durch massive Allergien und sozial anspruchsvoll – gegenüber Menschen genauso wie gegenüber anderen Tieren. Er lebte bei uns zu Hause, war Teil meines Alltags, nicht nur Teil meiner Arbeit. Und er hatte ein feines Gespür für Stimmungen. Oft wusste er, dass ich einen schlechten Tag hatte, bevor ich es selbst begriffen habe.


Mit ihm habe ich gelernt, langsamer zu werden.
Bewusster zu atmen.
Mich selbst zu regulieren, bevor ich von einem anderen Lebewesen Ruhe erwarte.


Diese Zeit hat mich verändert. Nicht nur als Mensch, sondern auch in meiner Art zu arbeiten.

Deutscher Schäferhund Joker liegt aufmerksam im verschneiten Wald – ruhiges Hundeporträt mit Fokus auf Präsenz und Konzentration

Joker wurde von der Hundestaffel für mich gekauft. Mit ihm begann mein Weg in der Staffel – wir sind gemeinsam in diese Aufgabe hineingewachsen, gemeinsam geprüft worden und gemeinsam an Verantwortung gewachsen.


Joker war mein Sprengstoffspürhund. Gemeinsam arbeiteten wir unter anderem am Flughafen Frankfurt in der Gepäck- und Frachtkontrolle. Situationen, in denen Fehler keine Option sind. In denen Ruhe, Klarheit und Vertrauen nicht verhandelbar sind. Und in denen ich gelernt habe, auch unter hoher Anspannung präsent zu bleiben.


Mit Joker habe ich nicht nur gelernt, ruhig zu bleiben, wenn es einfach ist. Sondern vor allem dann, wenn es darauf ankommt.


Unsere Arbeit führte uns in Situationen, in denen Aufmerksamkeit kein Zustand war, den man sich „vornimmt“, sondern etwas, das man halten muss. Über Stunden. In wechselnden Umgebungen. Mit vielen Reizen. Dort zählt kein Bauchgefühl allein. Dort zählt Verlässlichkeit. Und die Fähigkeit, sich selbst zurückzunehmen.


Joker war kein Hund, den man einfach „durchzieht“. Er brauchte Klarheit, Struktur und gleichzeitig viel Respekt für seine Grenzen. Ich musste lernen, meine eigene Körpersprache zu lesen, meine Atmung zu kontrollieren und präsent zu bleiben – auch an Tagen, an denen der Kopf woanders war. Denn Joker hat mir sehr deutlich gespiegelt, wenn ich innerlich nicht bei der Sache war.


Diese Erfahrung hat meine Wahrnehmung geschärft. Für Details. Für Stimmungen. Für das, was zwischen den Zeilen passiert.


Beim G20-Gipfel in Hamburg unterstützten wir als eines von vier deutschlandweit angereisten, nicht-polizeilichen Teams. Situationen mit hoher Dichte, viel Bewegung und wenig Raum für Fehler. Auch dort ging es nicht um Tempo oder Lautstärke, sondern um Klarheit, Ruhe und Vertrauen – im Team genauso wie im Zusammenspiel zwischen Mensch und Hund.


All das klingt weit weg von Fotografie.
Ist es aber nicht.

Deutscher Schäferhund Joker läuft ruhig über eine Holzbrücke – vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund

Denn genau diese Fähigkeiten brauche ich heute, wenn ich mit Tieren arbeite, die als „schwierig“ bezeichnet werden. Mit Hunden, die unsicher sind, reaktiv reagieren oder sehr fein auf ihre Umgebung achten. Mit Katzen, die Nähe nur zulassen, wenn sie sich wirklich sicher fühlen. Oft bedeutet das für mich, erst einmal nichts zu tun. Anzukommen, mich ruhig hinzuzusetzen und dem Tier Zeit zu geben, mich im eigenen Tempo zu betrachten – ohne Erwartung, ohne Druck.


Ich verspreche hier kein „kein Problem“.
Ich verspreche Aufmerksamkeit. Geduld. Und die Bereitschaft, mich auf das jeweilige Tier einzulassen – in seinem Tempo.


Manche Tiere brauchen Distanz. Andere Nähe. Manche beides, aber nicht gleichzeitig. Und manchmal braucht es einfach eine Pause. Das ist kein Scheitern, sondern Teil eines respektvollen Umgangs.


Diese Art zu arbeiten bedeutet auch, dass nicht jedes Bild entsteht. Aber die Bilder, die entstehen, fühlen sich richtig an. Weil sie nicht erzwungen sind. Weil sie aus einem Moment heraus entstehen, in dem das Tier bei sich sein durfte.


Und genau das ist für mich Sicherheit: nicht Kontrolle, sondern Verlässlichkeit. Für das Tier. Und für die Menschen, die mir ihr Vertrauen schenken.
Am Ende geht es für mich nie um das perfekte Bild. Es geht darum, wie es entstanden ist. Ob ein Tier sich sicher gefühlt hat. Ob es Raum gab, Pausen, echte Aufmerksamkeit. Ob ich bereit war, meine eigenen Vorstellungen zurückzustellen.


Diese Haltung kommt nicht aus einem Workshop und nicht aus einem Preset. Sie ist gewachsen – über Jahre, über Verantwortung, über Erfahrungen, die mich geprägt haben. Und sie begleitet mich bis heute bei jedem Shooting.


Wenn mir Menschen ihre Tiere anvertrauen, dann nehmen sie mich ein Stück weit mit in etwas sehr Persönliches. In Beziehungen, die oft leise sind, manchmal herausfordernd, aber immer bedeutungsvoll. Das ist nichts, was man schnell „abarbeitet“. Und genau so arbeite ich auch nicht.


Vielleicht ist diese Art der Fotografie nicht für jeden. Aber wenn du ein Tier an deiner Seite hast, das Ruhe braucht statt Tempo, Aufmerksamkeit statt Erwartungen und jemanden, der genau das ernst nimmt, dann freue ich mich, von euch zu hören.

Katzenporträt in ruhiger Umgebung – sensible Katze fühlt sich sicher und zeigt Vertrauen

Einige der Gedanken aus diesem Text habe ich in meinen Text-PDFs weitergeführt – zum Beispiel den Umgang mit sensiblen Tieren, Verantwortung im Fotoshooting oder die Frage, wann ein Bild entstehen darf und wann nicht.

 

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